Ich bin dann mal weg – oder doch nicht? Urlaub 2.0!

Der perfekte Sommer: lauschige Temperaturen erwärmen das Gemüt, Public Viewing und lange Grillabende erhellen die Stimmung, die Tinte der Schulzeugnisse ist getrocknet und die großen Ferien warten vor der Tür! Ab in den Urlaub. Aber: wohin eigentlich, und was machen wir da, und wie hat sich das Thema Urlaub in den letzten Jahren entwickelt?

Basisdaten: wer wohin und wann

Laut einer Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen haben im letzten Jahr 50% der Deutschen eine mindestens fünftägige Reise unternommen. 2004 waren es 53%, ein echter Rezessionseffekt ist allerdings nicht in Sicht. Beliebtestes Reiseziel ist Deutschland, gefolgt von Spanien, Italien und der Türkei. Deutschland, Spanien und Italien sind auch global in der Top 10 der besten Country Brands aus Tourismus-Sicht, wie die jährliche Studie „Country Brand Index“ in Zusammenarbeit von Weber Shandwick und Futurebrand gezeigt hat. Ohne Zweifel: Place/Destination Branding ist zu einer zentralen Herausforderung des Tourismusmarketings geworden.

Pro Person zahlen die Deutschen für ihren Urlaub übrigens im Durchschnitt 1.038 €. Damit bleibt das Urlaubsbudget etwa auf dem Stand von 2004, als es 1.025 € betrug. Etwas mehr Geld geben Ruheständler für ihren Urlaub aus: 1.095 € lassen diese sich ihre Reisen, die auch am längsten dauern, kosten. Nur kinderlose Paare haben bei einer kürzeren Verweildauer von durchschnittlich 13,2 Tagen mit 1.198 € noch mehr Geld zur Verfügung.

Wo aber informiert man sich über eine Urlaubsreise und welche Rolle spielen dabei Empfehlungsportale im Vergleich zum klassischen Reisebüro? Haben letztere in Zeiten des Internets überhaupt noch Überlebenschancen?

Reisen 1.0: schöne alte Welt?

Die Idee bleibt bestechend einfach: Man geht in das nächstgelegene Reisebüro, erkundigt sich über das favorisierte Reiseziel und nimmt einen Katalog mit nach Hause. Die schönsten Ziele und Hotels bekommen ein „Eselsohr“ im Katalog, um anschließend Angebote zu erfragen. Zu guter Letzt wird noch der Zeitraum festgelegt, Hotel und Flug gebucht. Den Rest übernimmt für den Urlaubsbedürftigen vollkommen unkompliziert das Reisebüro. Nachteilig ist allerdings, dass man sich von dem gewünschten Hotel lediglich die wundervollen Fotos des Anbieters anschauen kann. Baustellen oder Schnellstraßen, unfertige Pools oder Schmutz in der Küche werden nicht gezeigt - die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung ist groß. Klagen gegen Reiseanbieter sind moderne Klassiker der Publizistik und zunehmend kritische Verbraucher die Geburtsstunde von Reisen 2.0.

Reisen 2.0: Tripadvisors everywhere

Der oben skizzierte Weg ist online längst überholt. Es gibt unzählige Möglichkeiten im Internet nach Urlaubsreisen zu suchen und diese online direkt über den Veranstalter zu buchen. Größter Beliebtheit erfreuen sich Portale für günstige Urlaube. Expedia, das weltweit führende Reiseportal, verzeichnet monatlich circa 3,1 Millionen Unique Visitors. Mit Billig-Fliegern wie Germanwings oder Ryanair hat sich obendrein der Trend etabliert, günstige Flüge und Hotels gesondert zu buchen. Vorteil ist eine enorme Kostenersparnis gegenüber Pauschalreisen. 13 Millionen Deutsche werden 2010 ihren Sommerurlaub oder Teile davon online gebucht haben.

Vor allem Bewertungsportale wie Holidaycheck oder Tripadvisor haben den Reisemarkt nachhaltig verändert. Dem Verbraucher werden hier Erfahrungsberichte von Urlaubern geboten, die bereits in den Hotels residiert haben. Dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen: Jeder noch so kleine Fehler in der Hotelbeschreibung, jede Unannehmlichkeit wird von den kritischen Konsumenten bemängelt. 60% der Befragten einer Trendscope Umfrage gaben an, Urlaubsentscheidungen aufgrund von Bewertungen im Internet getroffen zu haben.

Social Reise Media

Mit der zunehmenden Bedeutung von Social Media haben sich auch die Ansprüche an Webseiten von Reiseanbietern geändert. Vertrauen steht laut einer aktuellen Umfrage von Yahoo! an erster Stelle. Sehr wichtig ist den Konsumenten auch, dass man Kommentare, Meinungen oder Fotos von anderen Nutzern einsehen und sich an Diskussionen beteiligen kann. Nicht zuletzt deshalb implementieren Hotels immer häufiger Social Media Elemente in ihre Unternehmenswebsites. Schauen wir ins Sporthotel Ellmau in Tirol: mittels einer Facebook-Connect Funktion lässt sich die Website in das eigene Facebook-Profil implementieren. Der Zweck, abgesehen von der Diskussionsmöglichkeit: der potenzielle Kunde wird persönlich angesprochen und Formulare automatisch mit den eigenen Daten ausgefüllt.

Immer mehr Anbieter aus der Tourismusbranche nutzen die Vorzüge von Facebook. Mietwagen lassen sich bei Holiday Autos direkt über Facebook buchen und Airlines informieren ihre Kunden über Sonderangebote sowie aktuelle Störungen im Flugverkehr. Ebenso beliebt für die Verkaufsförderung und Informationsverbreitung ist Twitter, wie sich zuletzt eindrucksvoll im Fall der Aschewolke gezeigt hat.

Always on: Abschalten mit Anschalten

Nicht nur bei der Planung, sondern auch im Urlaub selbst ist das Internet Teil des täglichen Lebens geworden. Zum einen werden E-Mails gecheckt, Nachrichten gelesen, Wetterinformationen abgerufen und die besten Restaurants in der Nähe gesucht, zum anderen werden immer neue Mobile Travel Technologies eingesetzt, die das Reisen noch entspannter oder spannender gestalten sollen. Die ITB in Berlin widmete dem Bereich der Mobile Travel Services in diesem Jahr sogar erstmalig einen eigenen Bereich. Im iTunes Store finden sich bereits 333 Apps in der Kategorie „Reisen“.

Weitere Zahlen, die verblüffen: Jeder vierte deutsche Urlauber checkt seine Emails mehrmals am Tag, und „Unternehmen, die mobile Lösungen einsetzen, sparen dadurch durchschnittlich 42 Minuten Arbeitszeit pro Tag und Mitarbeiter ein“, so Gerd Otto-Rieke, Consultant der ITB Berlin, in ITB Spezial – Mobile Travel Technologies.

So ist im Urlaub statt abschalten mittlerweile anschalten angesagt: Unterwegs wird der Twitter-Kanal weiter mit Statusnachrichten versorgt und die Facebook-Freunde werden mit Urlaubsfotos auf dem Laufenden gehalten. Wo ist eigentlich die gute alte Postkarte geblieben? Natürlich im Appstore.

Unzählige weitere mobile Anwendungen machen den Urlaub zum Technikevent. Mobile Reiseführer gibt es bei Everytrail und der Gate-Guru sorgt dafür, am Flughafen nicht verloren zu gehen. Openways hat sogar eine Applikation entwickelt, mit der es möglich ist Hoteltüren mit dem Handy zu öffnen. Der Gast bucht sein Zimmer per Telefon oder Internet und bekommt dann eine SMS auf sein mobiles Endgerät geschickt. Mit Hilfe der Applikation wird ein verschlüsseltes akustisches Signal erzeugt, auf das die Tür reagiert und sich öffnet. Ich bin dann mal weg?

Walk, Text and See

In Europa hat das Interesse der Menschen an Mobile Travel Services das der Nordamerikaner bereits überholt und wächst weiter: 71% der Europäer sind beispielsweise daran interessiert ihr Handy zum mobilen Check-In zu benutzen, im Vergleich dazu sind es in Nordamerika gerade 64%.

Der Trend der Mobile Travel Services und Technologien dürfte weiter anhalten und deutsche Urlauber immer häufiger neben Socken und Sandalen auch mit dem Smartphone und den passenden Apps durch fremde Länder streifen.

Bleibt zu hoffen, dass die Reisenden die Fähigkeit behalten, ihren Blick vom Display zu heben und die Länder auch authentisch und analog kennenzulernen. Dabei helfen kann übrigens wieder eine App: Mit „Email’n Walk“ kann man texten und gleichzeitig sehen was vor einem passiert.

Gute Reise. Gute Besserung!

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